Theaterprojekt „Wo ist Zuhause?“

Deutsch-russisches Schauspielereignis

Aufführungen im Kulturhauptstadtjahr 2010:

  • 12. Mai 2010, 20.00 Uhr, Theater im Depot in Dortmund- Fritz Pleitgen war zu Gast
  • 25. Juni 2010, 20.00 Uhr, Hagen, hasperhammer
  • 02. Juli 2010, 10.00 Uhr, Schloss-Spiele Hohenlimburg – Schulveranstaltung im Werkhof
  • 12. Juni 2010, 11.00 Uhr, Cafe Dialog in Hagen, Fotoausstellung zum Projekt

„Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert wurde von Studierenden der Smolensker Humanistischen Universität und der Staatlichen Smolensker Universität, die das Theater „MIRACLE“ bilden, 2007 sehr erfolgreich in russischer Sprache aufgeführt. Da die schauspielenden Studentinnen und Studenten fast alle an den Fremdsprachenfakultäten der beiden Universitäten studieren, wurde der Gedanke geboren, das Stück, das zunächst in russisch und französisch präsentiert wurde, auch in Deutsch einzustudieren und in Deutschland aufzuführen.

Studententheater MIRACLE BesetzungslisteAndrey Kurganov Erste KulturhauptstadtveranstaltungPlakat für die Hagener AufführungAndrey Kurganov Beckmann und der AndereBeckmanns UntergangSchlussablaus im Albrecht-Duerer-Gymnasium in Hagen

Bei der Bearbeitung des Textes waren Mitglieder des Freundeskreises Hagen-Smolensk e. V. (Frau Dr. Olga Engel) und die Sprachdozentin Frau Natalia Romanova von der Humanistischen Universität beteiligt. So entstand der Gedanke, das Stück auch in Hagen aufzuführen. Der Freundeskreis Hagen-Smolensk hat das Gastspiel des Theaters „MIRACLE“ in Hagen vom 12. bis 21.04.2008  organisiert und dessen Finanzierung gesichert.

Am 13.04.2008 wurde das Stück von „MIRACLE“ in Hagen aufgeführt, ergreifend, grandios!! In der voll besetzten neuen Aula des Albrecht-Dürer-Gymnasiums in Hagen waren die Zuschauer von der Ausdruckskraft der russischen Schauspieler/innen so beindruckt, dass zum Ende des Stücks zunächst alle schweigend auf ihren Sitzen verharrten, aber dann in einen tosenden Beifall ausbrachen, der stehend viele Minuten lang anhielt. Am 15.04.2008 trat die Theatergruppe „MIRACLE“ vor 400 Schülern im Stadttheater Marl (Fotos: Bernd Müller, Schwerte) auf. Die sichtlich beeindruckten und von der Art der Darstellung des Stoffes gefesselten Schüler erlebten z. T. erstmals eine Theateraufführung. Am 19.04.2008 folgte ein Auftritt in der Stadthalle von Gerolstein. Dies war eine Veranstaltung mit unserem Kooperationspartner Eifellicht e.V. (Internetseite-Aktionen – andere Aktionen), der durch diesen Beitrag das Projekts gefördert hat.

Die Studententheatergruppe wurde mit einem stimmungsvollen Abend im China-Restaurant „Kota Radja“ verabschiedet – Eindrücke:

Dr. Olga Engel, Hans-Werner Engel, Elena KurjanovaTisch mit Gastgebern, Fam. Gördes, Fam BenscheidtSvetlana und Aleksandra KurjanovaEvgenia Popatova, Kseniya Zemliankhina, Fam. CleverElena Kurjanova, Tochter Svetlana und Andrey KurganovVater und Sohn Fam. BerndtOlga KozhukharovaKleine Aufführung zum AbschiedGastgeberFamilie Schramm, Anton Shanin, Maxim Kharchuk

Am 27.06.2008 wurde unser Projekt „Wo ist Zuhause?“ als TWINS.2010-Projekt der Kulturhauptstadt anerkannt. Der Regisseur Dr. Peter Schütze stellt im August/September 2008 das Hagener Ensemble zusammen – es trägt den Namen Schloss-Spiel-Ensemble Hohenlimburg. Die Hauptrolle des Beckmanns übernimmt der junge talentierte Schauspieler Adam Hildenberg. Geprobt wurde ab Mitte September 2008. Die Arbeit an der Inszenierung und dem gesamten Projekt verdeutlicht uns immer mehr, wie aktuell der Borchert-Stoff heute noch immer ist.

Szenenfotos von Bernd Müller:

Adam Hildenberg und Host LappöhnAdam Hildenberg und Michael CreutzAdam Hildenberg, Peter Schütze und Michael CreutzAdam Hildenberg

Nach der Premiere am 21.11.2008, 19.00 Uhr, ebenfalls im Albrecht-Dürer-Gymnasium in Hagen, sollen weitere Aufführungen in den Jahren 2009 und 2010 folgen. Am 5. März 2009, 20.00 Uhr wurde das Stück im Hasper Hammer präsentiert.

Plakat zur Auffuehrung im Hasperhammer

Am 9. April 2009 trat das „Schloss-Spiel-Ensemble“ im „Smolensker Kammertheater“ in Russland auf und wirkte dort als hervorragender Botschafter der RUHR.2010-Kulturhauptstadt Europas.

sse_smolensk

Fast genau 40 Jahre nach der Aufführung dieses Stückes durch das Staatstheater Saarbrücken in Tiflis spielte eine deutsche Theatergruppe diesmal nicht in Georgien, sondern in Russland Borcherts „Draußen vor der Tür“. Mehr als 800 Personen wollten Eintrittskarten kaufen, aber es fanden leider nur 350 Menschen Einlass, die selbst in den Gängen und Zwischenräumen des Theaters hockten. Der gerade gewählte Smolensker OB Eduard Kochanowskij eröffnete die Veranstaltung, die von vielen deutsch sprechenden Studierenden und Schülern, aber auch von älteren Menschen besucht war.

Bildergalerie

Am nächsten Tag wurde ein Gruppenmitglied von einer älteren Dame angesprochen: „Sie haben ein großes Ereignis nach Smolensk getragen. Ich kann zwar kein Deutsch, aber das Schauspiel war so authentisch, dass ich alles begriff und nach der Veranstaltung weinend nach Hause ging.“

2009 folgen noch zwei Aufführungen: Im Schloss Hohenlimburg – open air, bei den Schloss-Spielen- und in der Rohrmeisterei in Schwerte.

Historisches:

Zum Stück „Draußen vor der Tür“

„Draußen vor der Tür“ wurde am 13. Februar 1947 vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) als Hörspiel gesendet und am 21. November 1947 – einen Tag nach Wolfgang Borcherts Tod – in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt. Wolfgang Liebeneiner (1905 – 1987), der bereits die Uraufführung des Stücks „Draußen vor der Tür“ inszeniert hatte, adaptierte es 1948 für das Kino: „Liebe 47“.

Plakat der Urauffuehrung

„Draußen vor der Tür“ 1979 in Tiflis in der großen Metechi- Kirche

Das, was sich derzeit zwischen den Partnerstädten Hagen und Smolensk durch die Aufführung von Borcherts „Draußen vor der Tür“ als Kulturhauptstadt-Projekt Ruhr2010 „Wo ist Zuhause?“ abspielt, hat schon einmal, und zwar nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass sich Menschen aus Russland und Deutschland näher gekommen sind.

Hermann Wedekind, gebürtig in Witten (Westfalen), war auch 1932 kurz am Stadttheater in Hagen beschäftigt, verstand sich nach dem zweiten Weltkrieg als Botschafter der Kunst und des Friedens. Sein Lebensziel war: „Kunst kennt keine Grenzen“. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat er als Generalintendant das saarländische Staatstheater in Saarbrücken geführt. Saarbrücken verband damals eine enge Kulturpartnerschaft mit Tbilissi (georgische Bezeichnung für Tiflis); es war die erste Ost-West-Städtepartnerschaft (Bürgermeister in Saarbrücken war Oskar Lafontaine). Durch enge Kontakte zu Prof. Wachtung Kuprawa und Eduard Schewardnadze, einem Brückenbauer zum Westen und einem wichtigen Vertreter von Glasnost und Perstroika, fand Wedekind Zugang zu einflussreichen Persönlichkeiten in Moskau und konnte dort Wladimir Semjonov und Valentin Falun (später Botschafter in Deutschland) überzeugen, dass „Draußen vor der Tür“ unbedingt in Tbilissi aufgeführt werden müsse. Wedekind hatte zuvor 13 Jahre hart gearbeitet, um diese Brücke nach Osten zu schlagen, zunächst in Gdansk und ab 1970 in Georgien.

In der Weihnachtswoche 1979 wurde „Draußen vor der Tür“ in der Metechi–Kirche aufgeführt. Die Wirkung soll ungeheuer gewesen sein. Das Schicksal des Beckmanns hat die gefühlsbetonten, mitfühlenden Georgier und Russen nachdenklich gemacht. Die Georgier und Russen kannten zwar ihr eigenes Leid, aber weniger das der Deutschen.

Eingeweihte behaupten, damals sei, u.a. auch durch Wedekind und andere an diesem Projekt Beteiligte, ein Teil der Saat für die deutsche Einheit ausgebracht worden.

„Das Leben ist die Antwort“, Artikel von Dr. Peter Schütze im Allgemeinen Sonntagsblatt, 1984.

Wo ist Zuhause?“: Der Titel für das Projekt wirft sicher auch durch die unterschiedliche Interpretation des Stückes von Borchert viele Fragen auf. Die unabhängigen unterschiedlichen Inszenierungen einer deutschen und russischen Theatergruppe des Stoffes zum Thema „Zuhause“ oder „Heimat“ sind gewollt und sollen das Publikum neugierig machen. Der Aspekt der Migration ist dabei durchaus von Bedeutung, denn es wird spannend sein zu sehen, wie junge russische Darsteller die Thematik bearbeiten und wo die Schwerpunkte in der Interpretation des Stoffes durch die Hagener Theatergruppe liegen können.

Die Frage „Wo ist Zuhause?“ ist für Millionen Menschen in Deutschland und Europa von großer Bedeutung. Wo fühlen sich die Millionen Migranten Zuhause? Hier in Deutschland, ihrer neuen Heimat, oder sind sie noch in ihrem Geburtsland stark verwurzelt. Wann und wie hilft unser Staat diesen Menschen, den Übergang in ein neues Zuhause schmerzfrei zu bewältigen. Eine wunderbare Geste wäre es, wenn Deutschland seinen Migranten eine doppelte Staatsangehörigkeit anböte, wie es andere Länder bereits praktizieren. Die Menschen müssten ihre Wurzeln nicht aufgeben, aber sie könnten sich zugleich zu vollwertig anerkannten Mitgliedern unseres Staates entwickeln: Ein tolles positives Potential!

Es ist das Ziel unseres Projektes, darauf hinzuweisen, dass jeder Mensch einen Anspruch auf sein Zuhause hat. Menschen, die nicht wissen, wo sie Zuhause sind oder ihre Heimat ist, haben unseren Schutz und unsere Hilfe dringend nötig! Artikel 3 Absatz 3 unseres Grundgesetzes, „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, sollte stärker in den Fokus gerückt und in der Tat von allen gelebt werden. Irgendwo sind wir alle einer von „DENEN“ und es kann jeden sehr schnell auf die Seite der Benachteiligten verschlagen.

Für das Projekt verantwortlich: Hans-Werner Engel, Jan Pfennig, Dr. Olga Engel – Dolmetscherin, Dr. Peter Schütze -Regie, Elena Kurjanova -Regie

Presse:

Westf. Rundschau 5. Juli 2008; Zeitung der Hum. Universität Smolensk 25.05.2008; Westf. Rundschau 18.10.2008; Haken 28.10.2008; Haken, Veranstaltungskalender 28.10.2008; Rundschau-Hohenlimburg 29.10.2008; Westfalenpost-Hohenlimburg 29.10.2008; Der Westen 29.10.2008; Westf. Rundschau 18.11.2008; Westf. Rundschau 25.11.2008; Westfalenpost 25.11.2008; Westf. Rundschau 23.01.2009; Wochenkurier 04.03.2009; Westfalenpost 07.03.2009; Komsomolskaja-PRAVDA-Smolensk 23.03.2009; Komsomolskaja-PRAVDA-Smolensk 24.03.2009; Komsomolskaja-PRAVDA-Smolensk 25.03.2009; Argumante und Fakten, Smolensk 01.04.2009; Westfalenpost-Hohenlimburg 29.08.2009; Ruhrnachrichten 12.09.2009; Schwerter Rundschau 09.09.2009; Wochenkurier Schwerte 12.09.2009; Wochenkurier Schwerte 19.09.2009;    Pflichtlektüre 23.06.2010

Die nachfolgenden Privatpersonen und Organisationen haben dieses Projekt bisher gefördert bzw. sind Kooperationspartner:

Albrecht-Dürer-Gymnasium, Hagen, Leiter Dr. Kux

Müller, Bernd und Verena

AllerWeltHaus Hagen

Otto, Ursula

ART-Proisk, Künstler Smolensk, A. Dovgan u. a.

Partnerschaftsverein Smolensk-Hagen, Smolensk -Petr Saizev, Tatiana Petunina, Frau Orlova-

China Restaurant Kota Radja, Hagen

Rohrmeisterei , Schwerte

Clostermann-Oberpichler, Eva

Romanova, Natalia

Dörken Stiftung

Ruhrtalbuchhandlung Schwerte

Dolosov, Alexander, Smolensk

RUHR:2010 GmbH, Essen

Druckerei Schmidt, Hagen

Schloss-Spiel-Ensemble Hagen-Hohenlimburg

Eifellicht e. V., Gerolstein

Schneider-Mombaur, Laura-Fabienne

Fernuniversität Hagen

Schütze, Dr. Peter (Regisseur),

Freundeskreis Schloss-Spiele Hohenlimburg e. V.

Smolensker Humanistische Universität – Rektor Prof. Dr. Nikolai Mazhar

Fritz-Berg-Gedächtnisfond

Smolensker Staatliche Universität

Fotografenverband, Smolensk

Sparkasse Hagen

Hagener Straßenbahn AG

Cafe Dialog in Hagen

Stadt Hagen – Amt des Oberbürgermeisters, Kulturbüro, Schulamt, Gebäudereinigung, Hagen Touristik-

Hasper Hammer

Stadt Marl – Stadttheater

Ilina, Aleksandra